Wo die Biodynamik Wurzeln schlägt

Wo die Biodynamik Wurzeln schlägt

28 April 2025

Wo die Biodynamik Wurzeln schlägt

Erstellt von Lukas Maschek | |   Sektion für Landwirtschaft

Wie hat sich die Biodynamik in den letzten 100 Jahren weltweit entwickelt und ausgebreitet? John Paull und Benjamin Hennig liefern mit ihrer Studie von 2020 erstmals eine flächenproportionale Weltkarte der biodynamischen Landwirtschaft. Dafür ermittelten sie sämtliche biodynamisch bewirtschafteten Flächen weltweit und stellten diese mittels einer Peters-Projektion grafisch dar. Die resultierende biodynamische Weltkarte ermöglicht einen Einblick in die Verbreitung der Biodynamischen Landwirtschaft und zeigt teils enorme Unterschiede zwischen Ländern, Regionen und Kontinenten.

Für die vorliegende kartografische Darstellung wurden insgesamt 55 Länder berücksichtigt, in denen gut 250'000 Hektar an zertifizierten biodynamischen Flächen existieren. Die Daten stammen grösstenteils von Demeter International, ergänzt um bisher unveröffentlichte Angaben australischer Demeter-Zertifikationsstellen. Als Visualisierungsmethode wählten die Autoren eine dichteausgleichende Flächenprojektion (Peters-Projektion), bei der Staaten proportional zu ihren biodynamischen Hektarzahlen verzerrt werden: Länder mit einer überdurchschnittlichen Dichte an biodynamischen Flächen werden aufgeblasen, Länder mit unterdurchschnittlicher Dichte werden verkleinert dargestellt.

Die biodynamische Weltkarte zeigt eine deutliche europäische Dominanz und eine sehr ungleiche globale Verteilung (Abbildung 1). Flächenmässig führt Deutschland mit 34% der weltweiten biodynamischen Flächen, gefolgt von Australien (20%) und Frankreich (6%), währenddessen Länder wie Russland oder China verschwindend klein erscheinen. Die Schweiz erreicht mit gut 5'000 Hektaren Platz 11. Eine komplette Liste der Länder und Flächenzahlen ist in der untenstehenden Tabelle aufgeführt.

In Abbildung 2 erkennt man, dass die globale Verteilung der biologischen Landwirtschaft etwas gleichmässiger ist als diejenige der biodynamischen Landwirtschaft. Auch hier nehmen Europa und Australien einen überdurchschnittlichen Anteil an den globalen biologischen Flächen ein.

Global gesehen machen biodynamische Flächen lediglich 0.35% der gesamten biologisch bewirtschafteten Landwirtschaftsflächen aus. Die Zahlen bilden jedoch nur zertifizierte Betriebe ab, die nach Demeter-Richtlinien arbeiten. Eine solche Zertifizierung ist mit Aufwand und Kosten verbunden. Gerade für Kleinstbetriebe lohnt sich dieser Aufwand oft nicht, oder sie schliessen sich einem anderen biodynamischen Label an. In solchen Fällen werden diese Betriebe von der hier präsentierten Statistik nicht erfasst.

Kommentar
Rudolf Steiners Impuls von 1924 wirkt weltweit fort: Eine Viertel Million Hektar sind heute nach biodynamischen Vorgaben zertifiziert, auch wenn die absoluten Flächen im Vergleich zur biologischen Landwirtschaft gering sind. Aus der grafischen Darstellung erschliesst sich jedoch nur die aktuelle weltweite Verbreitung der Biodynamik. Eine Entwicklungsdynamik lässt sich aus einer solchen Momentaufnahme nicht ableiten.

Zudem sind seit der Datenaufnahme im Jahr 2020 viele Betriebe hinzugekommen, die nach biodynamischen Methoden praktizieren, oftmals auch ohne Demeter-Zertifizierung. Die tatsächlichen Zahlen zu biodynamischen Betrieben und Anbauflächen dürften daher merklich höher ausfallen. Nichtsdestotrotz erarbeitet diese Studie einen neuen Blickwinkel auf die weltweite biodynamische Bewegung. Die Art und Weise, wie Daten dargestellt werden, kann unser Verständnis erweitern und trägt bei zur Wissensvermittlung.


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